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Rad-Urlaub in Corona-Zeiten (20.07.20)

Seit gut einem Monat (16.06.) sind die Grenzen nach Italien über Österreich und Schweiz wieder ohne Probleme und Restriktionen passierbar. Auch wenn Granfondos und andere Veranstaltungen derzeit noch nicht möglich sind, darf man in Italien wieder Radfahren.

Dieser Beitrag will Anregungen für einen Rad-Urlaub in Corona-Zeiten geben. Den meisten Alternativen fehlt zwar das Flair eines echten Granfondos, dennoch bieten sie ein besonderes Erlebnis – und können der angeschlagenen Konjunktur Italiens zumindest ein bisschen helfen.

Die verschiedene Optionen für einen Radurlaub in Italien (und auch in den anderen Alpenländern) unterscheiden sich teilweise im Hinblick auf das Risiko einer Covid-19-Infektion, ein paar grundlegende Dinge sind jedoch für alle Urlaubs-Aktivitäten gleich...

 

Urlaub als grundsätzliches Risiko

Während die offiziellen Infektionsszahlen in Italien und Deutschland zuletzt weiter gesunken sind, nehmen sie in Österreich und der Schweiz inzwischen wieder zu. Beim Anteil der aktuell (und amtlich erfassten) Infizierten an der Gesamtbevölkerung haben Österreich (Stand 19.07.: 0,0152%) und die Schweiz (0,0200%) inzwischen Deutschland (0,0067%) überholt und liegen auf dem Niveau von Italien (0,0207%).

Die Zunahme der Infektionen dürfte – neben einer gewissen "Corona-Müdigkeit" bei der einheimischen Bevölkerung – auch an von Touristen in die Urlaubsländer eingeschleppen Fällen liegen. Bei der Grenzöffnung waren Österreich und die Schweiz etwas früher dran, inzwischen wird das Problem auch in der italienischen Presse beklagt. Aber ohne Touristen gibt es nun mal keine Einnahmen durch den Tourismus...

Eins ist klar: Am sichersten ist man daheim, wenn man so wenig wie möglich aus dem Haus geht. Zustände wie zuletzt am "Ballermann" erhöhen dagegen das Infektionsrisiko. Irgendwo dazwischen wird sich das schwer abschätzbare individuelle Risiko eines Radurlaubs bewegen, abhängig vom Urlaubsland, von den dort anzutreffenden anderen Touristen, von der Zahl der Kontakte, vom eigenen Verhalten – und auch von der gewählten Unterkunft.

 

Risiko Unterkunft

Eine relativ sichere Lösung dürfte ein kleineres Hotel mit Halbpension sein. Werden dort Abstands- und Hygieneregeln ernst genommen, sollte die Zahl der Kontakt- und Ansteckungsmöglichkeiten überschaubar bleiben. In größeren Hotels erhöht sich die Kontaktzahl, tendenziell aber auch die Professionalität im Umgang mit Hygieneregeln. Wie es um letztere bestellt ist, lässt sich vorab aber wohl schwer klären.

Kaum beherrschbar erscheint für mgf dagegen das Risiko bei einem Campingurlaub. Wo sich viele Menschen ohne ordnende Aufsicht sanitäre Anlagen teilen, lassen sich Kontakte und Ansteckungsmöglichkeiten kaum vermeiden – zumal die Wissenschaft sich derzeit immer noch nicht einig ist, über welche Wege Covid-19 eigentlich übertragen wird. Viele Campingplätze bieten allerdings auch eine sichere Lösung an...

Am sichersten erscheint für mgf eine Ferienwohnung mit eigenem Sanitärbereich. In Form von stationären Wohncontainern oder kleinen Hütten findet man so etwas auch auf Campingplätzen. Je weitläufiger die Anlage und je größer der "Outdoorfaktor", umso sicherer. Wenn man abends selbst kocht, die Zahl der dafür nötigen Einkäufe auf ein Minimum reduziert und dabei die ruhigere Zeit wählt, wird das Infektionsrisiko geringer sein als im Hotel. Und wer dem Service nicht vertraut, kann die Ferienwohnung (wie auch ein Hotelzimmer) nach der Ankunft sicherheitshalber zuerst mal selbst desinfizieren.

Mit "sicherer" Unterkunft und Verpflegungsmöglichkeiten dürfte das Risiko im Radurlaub nicht sehr viel höher sein als daheim – vorausgesetzt, man hält sich auch auf den Touren an Abstands- und Hygieneregeln. Das wird umso schwieriger, je mehr Leute man unterwegs trifft...

 

Risiko Großveranstaltung

Je größer die Veranstaltung, umso größer das Infektionsrisiko. Ob und wie Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern ab August wieder möglich sind, scheint derzeit immer noch nicht sicher. Granfondos sind im italienischen Ferienmonat August zwar traditionell (so gut wie) nicht vorgesehen, aber dafür sollen einige Profirennen stattfinden.

Die Art und Weise, wie sich die Zuschauer dort an der Strecke verhalten, dürfte ein guter Test für Veranstaltungen ähnlicher Dimension werden. Falls jedoch die vom Giro d'Italia im Oktober geplanten Maßnahmen zum Standard auch bei anderen Veranstaltungen werden sollten, wird die Realisierung von Granfondos schwierig.

Manche Veranstalter sehen das offenbar schon jetzt so. Denn mittlerweile wurden bereits mehrere Granfondos, die für September geplant waren, für heuer abgesagt. Auch wenn derzeit noch nicht klar ist, ob und unter welchen Rahmenbedingungen größere Veranstaltungen möglich sein werden, sind sie in der folgenden Liste aufgeführt. Denn aktuell gibt es die Planungen ja – außerdem wäre die Liste sonst nur halb so lang...

 

Optionen für den Radurlaub in Italien

Die Reihung der folgenden Vorschläge und Anregungen erfolgt in Richtung eines zunehmenden "Granfondo-Flairs", die Teilnahme an einem großen Granfondo (die nach derzeitigem Stand heuer im September und Oktober noch möglich sein sollte) steht am Ende der Liste. Leider nimmt mit dem "Granfondo-Flair" auch das Infektions-Risiko zu...

 

Klassisches Trainingslager

Die Profis haben es vor dem Restart der Saison vorgemacht: Ein "Trainingslager" an einem festen Standort kann eine ziemlich sichere Sache sein. Man bleibt im selben Hotel, bevorzugt mit Halbpension, genießt bei den notwendigen Sicherheitsmaßnahmen einen geregelten Ablauf und kann – wenn es das ausgewählte Gebiet hergibt – doch ausreichend abwechslungsreiche Radtouren unternehmen. Noch mehr Sicherheit kann eine Ferienwohnung als Basis bieten (siehe oben).

Um dem Trainingslager etwas Granfondo-Flair zu geben, kann man in die Tourenplanung die Befahrung einer Granfondostrecke einbauen. Nachdem bei den meisten Granfondos Start und Ziel identisch sind, könnte man theoretisch an einem beliebigen Punkt in den Rundkurs einsteigen – weil sich dadurch die Abfolge im Höhen- und Belastungprofil erheblich vom Original unterscheiden kann, ist dies jedoch nicht zu empfehlen.

Ob man einen noch existierenden Granfondo wählt oder einen bereits "verblichenen", spielt keine Rolle. Ebenso wird es in den Bergen egal sein, ob es einen GPS-Track für die Granfondo-Strecke gibt oder nicht. Wenn man einen der "Coronafondos" (MyMdM, Formula Bici, Ötztaler SocialRad-marathon) fährt, kommt dabei sogar ein bisschen Wettbewerbsgefühl auf, auch wenn es nur um den Eintrag in einer "Finisher"-Liste geht.

 

Mehrtages-Tour

Mehr Erlebniswert als ein fester Basisort bietet eine mehrtägige Etappen-Tour, in Form einer Alpenüberquerung oder mit Rückkehr zum Startort. Anregungen finden sich im www genug. Die für heuer geplanten Route der TOUR Transalp z.B. ließe sich gut als Runde fahren, wenn man ein oder zwei Etappen weglässt und eine eigene Verbindungsetappe einbaut.

Ein nicht zu unterschätzendes Risiko ist dabei jedoch die täglich wechselnde Unterkunft. Anfang Juli machte ein Fall Schlagzeilen, in dem nach einer Alpen-Überquerung alle Kontaktpersonen in fünf Unterkünften ermittelt werden mussten, nachdem eine Bergtouristin positiv auf Covid-19 getestet wurde. Wer an einem festen Basisort bleibt, hat nicht nur weniger Kontakt- und Infektionsrisiko, sondern im Corona-Fall auch weniger Stress – und andere Menschen ebenfalls.

Wenn man mit leichtem Gepäck reist, wird es außerdem schwieriger, alle Hygieneregeln einzuhalten und sich auf eventuell wechselnde Situationen einzustellen. Etwas mehr Sicherheit bietet ein Begleitfahrzeug, dessen Besatzung sich um den Gepäcktransport und die Bereitstellung von Desinfektionsmitteln kümmern und auch vorab die Verhältnisse in der Unterkunft erkunden kann. Mit dem Begleitfahrzeug lässt sich zudem die Rückreise relativ risikoarm lösen.

Wer sich einem professionellen Reiseveranstalter anvertraut, muss sich nicht selbst um die Organisation kümmern, hat dafür aber keine Kontrolle über die Zusammensetzung und das Verhalten der anderen Teilnehmer. Und wie bei der Wahl der Unterkunft kann man auch bei der Wahl des Reiseveranstalters Glück oder Pech haben...

 

Besuch Profirennen

Der Besuch bei einem Profirennen kann einem Radurlaub besonderen Reiz verleihen. Am 1. August findet in Italien das erste Profirennen nach der Corona-Pause statt, los geht es mit den Strade Bianche (der zugehörige Granfondo findet allerdings erst am 13.09.2020 statt). Ob man ein Eintagesrennen wählt oder eine Rundfahrt wie den Giro d'Italia, macht von der Atmosphäre her nicht viel Unterschied. Wer über hohe Pässe fahren möchte, kann dies allerdings nur mit den Bergetappen einer Rundfahrt verbinden.

Ob und welche Regeln für Zuschauer bei Profirennen in Italien gelten werden, ist derzeit noch unklar. Während die Polen-Rundfahrt praktisch ohne Zuschauer ausgetragen werden soll, sind solche Pläne in Italien noch nicht bekannt – und vermutlich auch nicht durchsetzbar. Bekannt wurden nur Details zum Giro d'Italia, der erst im Oktober stattfindet. Hier plant man im Zielbereich strenge Zugangsbeschränkungen und das Verteilen von Armbändern, die einen zu geringen Abstand zu anderen Zuschauern akustisch anzeigen!

Für die vielen Kilometer zwischen Start und Ziel sind vergleichbare Einschränkungen kaum möglich. Man kann Abstände und Maskenpflicht vorscheiben, aber schlecht kontrollieren und durchsetzen. Zudem wird man die Zuschauermassen kaum daran hindern können, sich an den interessantesten Streckenabschnitten zu sammeln.

Und das wird zum Problem für risikoscheue Zuschauer: Man kann sich zwar selbst an alle Regeln halten, Maske tragen und sich ganz früh einen guten Platz sichern. Aber andere Zuschauer, die später nachdrücken und sich nicht an Regeln halten, wird man sich nicht vom Leib halten können. Schon bei den ersten Rennen in Belgien hat das nicht geklappt, bei dem Artikel von radsport-news.com stehen Titel und Bild in einem krassen Widerspruch. Und in Italien werden Regeln noch weniger funktionieren.

Wer heuer noch ein Profi-Rennen kontakt- und risikoarm verfolgen will, sollte sich einen uninteressanten (frühen) Anstieg oder eine Abfahrt aussuchen (das kann durchaus mal eine neue Erfahrung sein). Oder er schaut besser gleich nur zuhause am Fernseher zu. Beim Giro könnte es noch ein anderes Problem geben: Derzeit wurde die Streckenführung für 2020 immer noch nicht bestätigt. Die "neue Route" sollte "Ende Juni oder Anfang Juli mit einer Online-Präsentation" vorgestellt werden – das klingt so, als ob sich mehr als nur die ersten drei Etappen ändern würden. Ein Radurlaub mit Giro-Besuch ist derzeit nicht gesichert planbar.

 

Kleinere Veranstaltungen

Einigermaßen überschaubar dürften das Kontakt- und Infektionsrisiko bei Radsportveranstaltungen sein, bei denen die Teilnehmerzahl gering ist und/oder eine Zeitnahme fehlt – also bei kleinen Granfondos mit nur wenigen Hundert Startern und bei RTFs oder Randonneés, mit freiem Start in einem breiten Zeitfenster. Am Ende des Starterfeldes ist das Gedränge meist am geringsten und wenn man es geruhsam angehen lässt, hat sich die Dichte im Feld sicherlich schon ein gutes Stück reduziert, bis man auf früher gestartete langsamere Fahrer aufläuft.

Wenn man den Start erst mal hinter sich hat, ist es hier leichter möglich, Abstand zu halten. Und wenn an den Verpflegungsstellen zu großes Gedränge herrscht, kann man alternativ auch in einer Bar Kalorien und Trinkflaschen auffüllen. Grundsätzliche Voraussetzung ist natürlich, dass man den sportlichen Ehrgeiz der Disziplin unterordnen kann. Mit der Jagd nach Bestzeiten lässt sich der Verzicht aufs Windschattenfahren schlecht vereinbaren. In dieser Veranstaltungs-Kategorie sind verschiedene Ausprägungen möglich...

Die Organisatoren des Granfondo Nove Colli bieten heuer eine “Ciclo-turistica Sulle strade della Nove Colli” an. Diese Veranstaltung ohne Zeitnahme ist einer deutschen RTF (Rad-Touristik-Fahrt) vergleichbar. Laut Veranstalter lassen sich am 18. Oktober "die Anstiege und die Atmosphäre des Granfondo Nove Colli entdecken." Zwar werden nicht alle neun Hügel befahren, aber auf der 152 km (und 2.290 Hm) messenden Langstrecke immerhin fünf. Daneben gibt es auch zwei kürzere Strecken mit 106 km (1.090 Hm) und 72 km (340 Hm). Mehr Informationen – etwa wieviele Teilnehmer zugelassen sind oder welche Regeln wegen Covid-19 gelten werden – gibt es derzeit leider noch nicht.

Beim historischen Radmarathon L'Eroica gibt es ebenfalls keine Zeitnahme, der Ablauf ist ebenfalls mit einer RTF vergleichbar. Für den Start gibt es breite Zeitfenster, auch wenn Aspiranten für die 209-km-Langstrecke nicht die vollen zwei Stunden Spielraum ausnutzen können. Um das große Starterfeld (meist ca. 7.000 Starter) zu entzerren, wird 2020 an zwei Tagen gefahren: eine Gruppe am Samstag, die andere am Sonntag. Weil die Trennung der Gruppen nach den gewählten Strecken erfolgt (1. Gruppe 209 und 135 km, 2. Gruppe 106, 81 und 46 km), wird der gewünschte Effekt allerdings eher gering sein, denn die Streckenvarianten hatten schon bisher eigene Startzeiten. Am Start wird man die geringere Teilnehmerzahl wohl nicht spüren, nur an manchen Verpflegungsstellen und im Ziel. Dort wird es keine Pasta-Party geben, es werden nur "Panini" verteilt.

L'Eroica ist auf dem Papier eine Randonneé, diese Veranstaltungsart kann eine Alternative zu Granfondos sein. Allerdings ruht die Randonneé-Szene derzeit genauso – trotz der mit traditionellem Selbstversorger-Konzept und meist kleineren Starterzahlen eigentlich weniger kritischen Rahmen-Bedingungen. Vom Landesverband ARI (Audax Randonneur Italia, sonst eher auf Brevets über Hunderte von Kilometern spezialisiert) gibt es auch einen Kalender mit Randonneés für Einsteiger, in dem von 02.08. bis 25.10.20 insgesamt 39 Veranstaltungen bzw. Strecken zwischen 60 und 160 km gelistet sind – die aber derzeit alle unter Vorbehalt stehen.

Im Bereich der echten Granfondos, mit Massenstart und Zeitnahme, sollten kleinere Veranstaltungen mit weniger Risiko verbunden sein, siehe oben. Die folgenden heuer noch geplanten norditalienischen Granfondos hatten 2019 weniger als 1.000 Starter. Eine qualitative Bewertung der Veranstaltungen ist für mgf nicht möglich, beim Granfondo-Kalender Dalzero.it fielen die Beurteilungen durchschnittlich aus.

 

"Großer" Granfondo

Möglichkeiten, in einem großen Starterfeld zu fahren, wird es heuer nur noch wenige geben. Größte Veranstaltung 2020 wird – falls Granfondos überhaupt stattfinden – der Gran Fondo Strade Bianche sein, der vom 08.03. auf den 13.09.2020 verlegt wurde. Die Teilnehmerzahl blieb trotz Corona-Krise unverändert. Wie 6.000 Teilnehmer nach einem Massenstart sicher über die schmalen Schotterstraßen geschleust werden sollen, ist mgf schleierhaft, das Gedränge wird vermutlich genauso groß sein wie bisher. Das "neue" Reglement ist bis auf Termine und Preise praktisch identisch mit dem vor der Corona-Krise geplanten Granfondo, Covid-19 bedingte Änderungen gab es bisher nicht.

Wer hier einigermaßen "kontaktarm" (aber ohne Ambitionen bei der Plazierung) über die Distanz kommen möchte, könnte es mit der "Regen-Strategie" von mgf versuchen: So spät wie möglich am Start erscheinen und sich ganz hinten einreihen, nach Überfahren der Startlinie erstmal in der nächsten offenen Bar ein zweites Frühstück einnehmen, danach gemütlich die Kurzstrecke fahren. Laut Reglement droht für den Start außerhalb der für die Startnummer vorgesehenen Gruppe (also auch in einer späteren Gruppe) zwar die Disqualifikation, aber das sollte notfalls egal sein, wenn man sowieso keine sportlichen Ambitionen hat.

Etwas geringer scheint mgf das Infektionsrisiko beim Granfondo Via del Sale zu sein, der vom 19.04. auf den 11.10.2020 verlegt wurde. Diese "Mini-Nove-Colli" (kürzer, kleiner, nur fünf Hügel) mit Start/Ziel in Cervia, nördlich von Cesenatico, hatte letztes Jahr 1935 Teilnehmer. Sicher werden es heuer ein paar mehr sein, aber wenn man sich im letzten Startblock hinten einreiht und es danach locker angehen lässt, sollte man den anderen Tausenden einigermaßen aus dem Weg gehen können. Und das Gedränge der Pasta-Party (die laut Programm tatsächlich angeboten werden soll) lässt sich durch einen Teller Nudeln im Hotel vermeiden.

Derzeit scheint keiner der italienischen Granfondo-Veranstalter für die "Corona-Editionen" 2020 ein speziellles Hygienekonzept zu planen, wie das L'Eroica versucht. Aber vielleicht (hoffentlich) ändert sich das ja noch. Abhängig vom Ablauf und Erfolg oder Misserfolg der Corana-Maßnahmen bei den im August stattfindenden Profirennen könnten die Behörden für Großveranstaltungen im September und Oktober neue Vorschriften erlassen – oder diese Events gleich ganz verbieten...

Per Stichproben-Recherche fand mgf dann aber doch immerhin eine Veranstaltung mit echten und strengen Covid-19-Regeln, allerdings in Frankreich: Die Tour de l´Ain Cyclo am 02.08.2020 hat ein Teilnehmer-Limit von nur 300 (!) Startern festgelegt. In so einem überschaubaren Feld ist das Infektionsrisiko erheblich geringer als bei einem zehn- oder zwanzigmal so großen Starterfeld! Und das Reglement enthält spezielle Infektionsschutzregeln: unter anderem ist bei weniger als einem Meter Abstand (also vermutlich in der Startaufstellung) das Tragen einer Maske vorgeschrieben, zudem muss jeder Teilnehmer Desinfektionsmittel mit sich führen. An den Verpflegungsstellen gibt es nur Wasser, um sonstige Nahrung und Getränke muss man sich selbst kümmern.

Diese Regeln sind aus Sicht von mgf geeignet, das Infektionsrisiko auf ein beruhigendes Niveau zu senken. Für die Teilnehmer ist das erfreulich, aber bei nur 55 Euro Startgeld – für die es auch noch ein Trikot gibt, das während der Veranstaltung getragen werden muss – wird sich die "Corona-Edition" der Tour de l´Ain Cyclo wohl kaum rechnen. Dagegen will L’Étape du Tour offenbar allen 16.000 (!) Angemeldeten die Teilnahme am Ersatztermin 06.09.2020 ermöglichen und diese Mega-Veranstaltung an nur einem Tag durchziehen! Weil die Behörden das bestimmt etwas kritischer sehen werden, ist für mgf die Absage von L’Étape du Tour so gut wie sicher.

 

Auch mancher andere für heuer noch geplante Granfondo wird am Ende wohl doch noch an den derzeit noch unbekannten Auflagen der Behörden scheitern. Und bei denen, die stattfinden werden, lässt sich ein mehr oder weniger großes Restrisiko für die Teilnehmer nicht vermeiden. Letztlich muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er nicht doch lieber ein schönes, ruhiges Trainingslager in den Alpen als Saison-Höhepunkt vorzieht, bei dem die Kontakt- und Infektionsmöglichkeiten beherrschbar und nicht fremdbestimmt ist.

Wichtig: Bei allen oben beschriebenen Rad-Aktivitäten, auch und besonders bei den Granfondos, sollte man es vermeiden, ans Limit zu gehen. Denn Erschöpfung und erhöhte Infektionsgefahr sind eine sehr riskante Kombination, siehe Spalte rechts. Entgegen der weit verbreiteten Gewohnheiten sollte heuer die Intensität im Radurlaub reduziert werden, um das Immunsystem nicht zur falschen Zeit zu schwächen.

Ein echtes "Sabbatical", in dem man nur daheim und alleine Grundlage trainiert, wie es manche Mediziner empfehlen, ist aus Sicht von mgf nicht nur demotivierend, sondern auch etwas übertrieben. Wer den Vorschlägen der Mediziner folgt und absolut kein Risiko eingehen will, dürfte auch in Deutschland demnächst (wenn viele Urlauber zurückgekehrt sein werden) nicht mehr draußen fahren.

Egal wie Ihr euch entscheidet: Bleibt vorsichtig, verhaltet euch vernünftig und passt auf euch und eure Mitmenschen auf!

 

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Die sicherste Lösung in Corona-Zeiten ist eine einsame Runde in den Stunden kurz nach Sonnenaufgang oder kurz vor Sonnenuntergang. Dann fährt mgf wegen der leereren Straßen derzeit am liebsten. Wer das auf Dauer als zu langweilig empfindet und Sehnsucht nach Italien hat, findet in diesem Beitrag Anregungen für die Gestaltung eines Radurlaubs südlich des Alpenhauptkamms – die mit mehr oder weniger Risiko behaftet sind. [Bild: janka00simka0, pixabay-Lizenz]

 

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Aktuelle Situation in der Granfondo-Szene:

Von 35 in der (wieder einmal aktualisierten) Granfondo-Liste von mgf gelisteten italienischen Veranstaltungen wurden (Stand 18.07.) 28 auf 2021 verschoben und drei auf einen neuen Termin im September/ Oktober verlegt. Bei einer wurde ein neuer Termin für 2020 noch nicht genannt. Zwei Granfondos sind bei den ursprünglichen Terminen im September/ Oktober geblieben.

Die GS Alpi, Veranstalter einer ganzen Reihe von Granfondos, hat mittlerweile nicht nur den zwischenzeitlich auf den 06.09. verschobenen Gran Fondo Gavia & Mortirolo abgesagt, sondern auch den schon immer für 20.09. vorgesehenen Spluga Day 200. Durchführen will die GS Alpi heuer den Gran Fondo Alassio (Ligurien, vom 15.03. auf 18.10.2020 verschoben), und auch der Gran Fondo Don Guanella ist für 2020 noch nicht abgeschrieben, obwohl es noch keinen neuen Termin gibt. Hoffnung auf Durchführung macht das heuer neue Konzept: Statt eines Massenstarts gibt es eine "partenza alla Francese" (wie bei deutscher RTF), die Zeitnahme erfolgt partial, nur in zwei Anstiegen. Wenn das Start-Zeitfenster (bisher 1/2 Stunde) vergrößert und eine Lösung für die Pasta-Party gefunden wird, könnte dieses Konzept tatsächlich aufgehen...

Für 2020 abgesagt wurden dagegen der für 20.09. geplante Granfondo Marco Pantani sowie der für 06.09. geplante Top Dolomites Granfondo. Falls alle derzeit noch vorgesehenen Veranstaltungen stattfinden, läge die Ausfallquote in der Granfondo-Liste von mgf schon jetzt bei 80 Prozent. Eine Betrachtung für alle italienischen Granfondos hat sich mgf erspart – denn die Lage ändert sich ständig.

Aktuell ist leider immer noch nicht sicher, ob und in welcher Form kleinere und größere Sportveranstaltungen heuer noch stattfinden dürfen. Denn leider gibt es derzeit offenbar für den kompletten Amateur-Sportbereich in Italien noch kein Konzept für einen Neustart nach dem "Lockdown". Tourismus und Profisport sind den Politikern anscheinend wichtiger als die Gesundheit der breiten Bevölkerung und das Überleben der kleinen Vereine. Manche Kommentare im www klingen schon ziemlich verzweifelt. Und für mgf kommt langsam der Verdacht auf, dass heuer kein Granfondo mehr stattfinden wird – und die wenigen Veranstalter, die das nach außen noch anders kommunizieren, vielleicht schon ahnen, dass es nicht so kommt... Andererseits: die Hoffnung stirbt zuletzt!

 

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Corona-Alternativen für daheim

Wer noch mehr Ideen sucht, wie er trotz Corona-Krise Spaß am Radfahren haben kann, wird bei den Rennrad-Magazinen fündig:

Das Magazin TOUR LINK brachte im Heft 08/2020 (S. 26 ff.) eine Liste mit zehn Vorschlägen für Rad-Höhepunkte im Sommer in Deutschland. Manche ähneln den in diesem Beitrag vorgestellten Alternativen, manche sind unkonventionell, manche auch etwas merkwürdig – wie das "GPS-Zeitfahren", bei dem die Strecke zwischen Start, Ziel und definierten Checkpunkten frei gewählt werden kann. Zum Nachweis, dass die Checkpunkte passiert wurden, soll man dort "versteckte" Zettel abholen. Wozu nennt man das dann "GPS-Zeitfahren"? Den Nachweis liefert das GPS-Gerät...

Das Magazin Roadbike widmete dem "Rennradfahren in Corona-Zeiten" acht lesenswerte Seiten im Heft 07/2020 (S. 50 ff.). Neben "Benimm-Regeln" und Trainingstipps gibt es auch hier einige Vorschläge zum Befahren neuer Wege, um die "Motivation hochzuhalten", ergänzt durch interessante Interviews mit Medizinern: Dr. med. Paul Schmid-Hellinger betrachtet das Radfahren aus medizinischer Sicht, er empfiehlt, 2020 als "Sabbatjahr" zu sehen, ohne intensive Belastung zu trainieren (weitgehend sinnvoll) und den vom BDR empfohlenen Abstand von bis zu 50 (!) Metern zum Vordermann einzuhalten (realitätsfern, dann dürfte man nur noch auf der Rolle fahren). Und BDR-Verbandsarzt Dr. Denis Biró (Mitte 30) schildert den Verlauf seiner eigenen Corona-Erkrankung: "Dieses Virus ist kein Spaß."

Das Magazin RennRad hält sich bei Corona-spezifischen Vorschlägen zurück, liefert dafür aber in Heft 07/2020 (S. 96 ff.) einen wertvollen Artikel zum Zusammenhang zwischen Training und Immunsystem, der auch online und kostenlos verfügbar ist. Hier wird erklärt, warum man es ruhiger angehen lassen sollte, wenn das Immunsystem gefordert ist. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass man schon intensiver trainieren darf, wenn danach sichergestellt ist, dass keine Virenattacke durch das "open Window" erfolgt. Man sollte also die Form beizeiten im Solo-Training aufbauen und sich im "Trainingslager" weniger fordern, damit das Immunsystem dann abwehrbereit ist, wenn es darauf ankommt.

 

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Schutzmaßnahmen unterwegs

Dass man sich an Abstandsregeln halten und unnötige Kontakte mit Mensch und Material vermeiden sollte, dürfte klar sein. Darüber hinaus sollte man, um sich auch während einer ausgedehnten Radtour im Trainingslager oder der Teilnahme an einer Veranstaltung einigermaßen sicher und "sauber" fühlen zu können, den Inhalt der Trikottaschen etwas aufstocken:

Eine kleine Flasche mit Desinfektionsmittel oder Alkohol-Lösung und Papier-Taschentücher (oder alternativ abgepackte Desinfektionstücher) nehmen nicht viel Platz weg, können aber vor und nach einem Zwischenstop oder bei Erster Hilfe wertvolle Dienste leisten. Bereits vor ein paar Jahren fand mgf mal ein Fläschchen Desinfektionsmittel in einem Rennpaket – das sollte jetzt eigentlich Standard sein.

Genauso, wie man es daheim (hoffentlich) so eingerichtet hat, dass man eventuell von draußen mitgebrachte Viren nicht in der Wohnung verteilt, sollte man es auch im Radurlaub handhaben – und im Auto oder im Radkeller des Hotels Desinfektions-Mittel für die "Erstversorgung" nach der Rückkehr deponieren.

Für Zwischenstopps auf der Radtour, zum Einkauf in Läden und Tankstellen oder für einen Bar-Besuch ist in Italien eine Mund-Nasen-Bedeckung derzeit noch immer Pflicht. Im Trainingsbetrieb reichen dafür die bei vielen Radlern zur Standard-Ausstattung zählenden Schlauchtücher ("Buff") aus – aber es gibt natürlich professionellere Lösungen...

Bei allen Großveranstaltungen ließe sich das Infektionsrisiko sicherlich reduzieren, wenn alle Teilnehmer eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen würden. Bei sportlicher Betätigung ist das aber praktisch schwer durchzusetzen und auch nur zeitlich begrenzt möglich – wegen der verminderten Atemfunktion und der schnellen Durchfeuchtung der Masken.

Allerdings gibt es inzwischen auch hochwertige Masken, die die Atmung weniger behindern, zum Beispiel vom deutschen Radsportbekleidungshersteller Dowe. Wenn jeder Teilnehmer im Rennpaket eine solche hochwertige Maske – möglichst mit dem Logo der Veranstaltung! – vorfinden würde, wäre die Bereitschaft zum Maskentragen sicher viel größer. Damit könnte man wenigstens die Startaufstellung und die ersten Kilometer sicherer gestalten, bis sich das Feld etwas auseinandergezogen hat.

Schwierige Zeiten fordern und fördern besondere Lösungen – vermutlich wird das Radsport-Jahr 2020 noch einige davon hervorbringen...

 

 

 

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