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Carpe diem! (29.05.19)

Traurige Nachrichten gab es im Oktober 2018: Der Granfondo 3epic wird 2019 leider nicht mehr fortgesetzt. Nach nur drei Jahren führte offenbar das Desinteresse der Gemeinde Auronzo di Cadore zum Aus dieser vielversprechenden Veranstaltung mit der wahrhaft epischen Bergankunft an den Drei Zinnen. Und auch der Gran Fondo Giro d'Italia wird 2019 nicht fortgeführt. Das unerwartete Ende dieser schönen Veranstaltungen mahnt alle Granfondo-Fans, die Gelegenheiten zu nutzen, solange es sie gibt - Carpe diem!

 

Einige Granfondos halten sich viele Jahrzehnte und entwickeln eine lange Tradition, andere existieren nur kurze Zeit - obwohl auch unter letzteren oft äußerst interessante, anspruchsvolle Veranstaltungen zu finden sind. Mit 3epic und dem "Original" des Gran Fondo Giro d'Italia wird die Liste der Granfondos, die viel zu früh eingestellt wurden und die mgf gerne noch (oder nochmal) gefahren wäre, wieder einmal länger. Solange für diese Granfondos "R.I.P. - Requiescat in pace" gilt, kann die folgende Liste nur noch als Erinnerung und Anregung für anspruchsvolle Rennrad-Touren dienen - und als Mahnung, wie schnell sich was ändern kann...

 

3epic – Tre cime di Lavaredo cycling road: 2016 bis 2018, über ruhige, unbekannte Pässe in den nordöstlichen Dolomiten, die auch schon vom Giro d'Italia befahren wurden (u.a. Passo Sant’Antonio, Costalissoio und Forcella Zovo), Start in Auronzo di Cadore, Ziel als Bergankunft am Rifugio Auronzo, am Fuß der Drei Zinnen. Der epische Schlussanstieg alleine rechtfertigte schon die Teilnahme. Die Organisation war - wie bei den meisten der hier genannten Granfondos - fast so perfekt wie bei den größten der Szene, der veranstaltende Verein war mit viel Passion und Engagement am Werk, ganze Schulklassen standen an die Strecke, um die Teilnehmer anzufeuern. Die Veranstaltung sah sich selbst als "Grandonée" - als Mischung aus Granfondo und Randonée, die partielle Zeitnahme sorgte für weniger Stress, sichere entspannte Abfahrten und genug Zeit für die gut sortierten Verpflegungsstellen.

 

Gran Fondo Dolomiti Classic: 2009 bis 2013, 130 km und 3.600 Hm mit Start und Ziel in Arabba, über Passo Duran, Forcella Staulanza, Passo Giau und Passo Falzárego. Diese bereits vom Gran Fondo Giro d'Italia 2007 genutzte Runde konnte es mit der Maratona dles Dolomites aufnehmen, trotz ingesamt weniger Höhenmetern: das kaum bekannte Duo Duran-Staulanza ist mindestens so anspruchsvoll wie Giau-Falzárego. Auf der kleinen Runde konnten auch Fahrer, die bei der Maratona das Zeitlimit für die große Runde verpassten, den Passo Giau in einem Wettbewerb bezwingen. Die letzte Dolomiti Classic gewann Ötztaler-Sieger Bernd Hornetz, der sie als eines seiner Lieblingsrennen nannte.

 

Granfondo La Magnifica: 2012 bis 2013, mit Start/Ziel in Forlì, auf der großen Runde 227 km und - wenn der Veranstalter richtig gerechnet hat - 5.300 Hm (!) über unzählige Hügel im Hinterland der Adria, darunter auch Marco Pantanis "Hausberg" Monte Carpegna. Eine Besonderheit war die Nutzung von "weißen" (nicht asphaltierten) Straßen, wie das zuvor schon L'Eroica und danach der Gran Fondo Strade Bianche erfolgreich taten. Dieser "Senkrechtstarter" gehörte (ebenso wie später 3epic) bereits im zweiten Jahr zur "Prestigio"-Serie, bevor das plötzliche Aus kam, aufgrund von Problemen bei Genehmigung und Sicherheit.

 

Endura Alpen-Traum: 2013 bis 2015, 252 km und 6.078 Hm, von Sonthofen über Oberjochpass, Hahntennjoch, Piller Höhe, Norbertshöhe, Reschenpass, Umbrailpass und Stilfserjoch nach Sulden - kein klassischer Granfondo, aber die Bergankunft der 4-Länder-Transalp lag in Italien und die Strecke beinhaltete die "címa coppi originale". Der Ausstieg des Titel-Sponsors bedeutete leider das Ende dieser Veranstaltung, die mit mgf-Härtegrad 12,4 selbst für Ötztaler-Finisher eine Herausforderung war. Die Form von mgf war in den drei Jahren leider nie ausreichend. Und die Starter kamen leider nie über die sicher nicht nur psychologisch wichtige 1.000er-Marke, vielleicht haben manchen auch die zusätzlichen Transport-Kosten durch das weit vom Start entfernte Ziel abgeschreckt.

 

Gran Fondo Alpi Biellesi: 2015 bis 2017, mit Start in Biella, Piemont. Die sehr interessante, bergige Strecke mit 120 km und 3000 Hm führte u.a. über die "Panoramica Zegna" Trivero-Bielmonte und endete mit einer Bergankunft am Santuario di Oropa. Die monumentale Wallfahrts-Basilika war schon Ziel diverser Etappen des Giro d'Italia, z.B. 1999 bei Marco Pantanis zweifelhaftem "Comeback des Jahrhunderts". Zuletzt siegte hier Tom Dumoulin beim Giro 2017. Leider "entdeckte" mgf diesen kleinen, interessanten Granfondo erst 2018, bei der Recherche für einen Giro-Ausflug. Die Veranstaltung 2018 wurde wegen Genehmigungsproblemen abgesagt, 2019 gibt es leider keine Neuauflage.

 

Gran Fondo Giro d'Italia: 2006 bis 2008, mit Start in Arabba, war dieser Granfondo Teil der "Challenge Gazzetta", die 2006 zur Feier des 110. Geburtstags der berühmten Sportzeitung Gazzetta dello Sport ins Leben gerufen wurde. Die Strecke des Granfondos wechselte jedes Jahr, angelehnt an die Dolomiten-Etappen des Giro d'Italia in den Jahren des Vertrags mit dem Tourismus-Verband "Dolomiti Stars", der Granfondo fand jeweils am Tag vor oder nach der Profi-Etappe statt. Das Ziel war zweimal in Arabba und bei der letzten Ausgabe - die exakt der bereits vorab als "legendär" eingestuften Königsetappe des Giro (153 km und 4.746 Hm, siehe Profil HIER) folgte - eine Bergankunft am Passo Fedaia! Die Veranstaltung mit dem etwas sperrigen Titel "Gran Fondo Giro d’Italia Tappa della Legenda" war die beste, die mgf je gefahren ist. Dieses Highlight in den Dolomiten konnte nach dem Wechsel an einen anderen Veranstaltungsort nicht mehr überboten werden.

2009 war zwar noch ein Granfondo mit Start/Ziel in Pinerolo geplant, aber die Strecke fiel, ebenso wie die Giro-Etappe Cuneo-Pinerolo, arg kurz aus. Die Anmeldezahlen waren damals sicher gering (mgf hatte auch kein Interesse), abgesagt wurde der Granfondo jedoch offiziell wegen Genehmigungsproblemen. In Arabba dagegen wurde die Lücke, die der Giro-Veranstalter RCS hinterlassen hatte, vom Gran Fondo Dolomiti Classic gefüllt - wenigstens für ein paar Jahre...

2015 bis 2017 erlebte der Gran Fondo Giro d'Italia dann nach sechs Jahren Pause überraschend eine Neuauflage - allerdings mit einem etwas unsteten, unglücklichen Konzept. Beim Restart 2015 mit 800 Teilnehmern folgte die Strecke zwar der schweren 16. Etappe Pinzolo-Aprica über den Passo Mortirolo, jedoch leider bereits neun Tage vor dem Giro (weil der Giro-Besuch schon gebucht war, verzichtete mgf damals auf den Granfondo). 2016 lag der Start- und Zielort Cividale del Friuli (zwei Tage vorher Ziel der hügeligen 13. Etappe) leider etwas abgelegen, mit 1.200 Teilnehmern war die Veranstaltung dennoch ein Erfolg. 2017 wurde statt eines Granfondos nur ein Team-Zeitfahren angeboten (am Vormittag der 21. Etappe, dem Einzelzeitfahren Monza-Milano, mit nur 600 Startern).

2018 gab es dann endlich wieder eine Strecke nach dem Geschmack von mgf: Am Tag nach der 20. Etappe sollte der 100 km kurze, mit 3.400 Hm dennoch schwere Granfondo in Saint-Vincent starten, den finalen 84 Giro-Kilometern folgen und mit einer Bergankunft in Cervinia, am Fuß des Matterhorns enden! Leider wurde der Granfondo kurzfristig abgesagt. Im www fand sich keine Erklärung, mgf tippt auf zu geringe Anmeldezahlen, in Verbindung mit zu hohen Profit-Erwartungen bei RCS.

Schade, dass es 2019 keinen Gran Fondo Giro d'Italia mehr gibt. Die glückliche Hand, die RCS immer wieder bei der Gestaltung des Giro d'Italia beweist, schien beim Granfondo nach 2008 leider zu fehlen. Und italienische "Granfondisti" sind ziemlich verwöhnt und anspruchsvoll...

 

Gran Fondo Giro di Lombardia: 2006 bis 2008, mit Start/Ziel in Como, war ebenfalls Teil der "Challenge Gazzetta", folgte dem Finale des Profirennens, über Ghisallo, Civiglio und San Fermo della Battaglia. In Verbindung mit einem Besuch des Profi-"Rennens der fallenden Blätter" ergab der Granfondo einen perfekten, stilvollen Saisonausklang. Die für 2009 geplante Veranstaltung wurde leider wegen Sicherheitsproblemen durch den Stadtverkehr in Como abgesagt.

Nach acht Jahren Pause - in denen das Profirennen in "Il Lombardia" umgetauft wurde und das Ziel zuerst nach Lecco und dann nach Bergamo gewechselt hatte - kamen der Granfondo und das Ziel des Profirennens 2017 zurück nach Como. 2018 fand der Granfondo Il Lombardia eine Lösung für die Verkehrsprobleme (und auch für die Orientierungs-Probleme der Teilnehmer), indem der vorletzte Profi-Berg beim Granfondo bereits das Ziel bildete, als Bergankunft.

Inzwischen ist sicher: der Granfondo Il Lombardia findet 2019 wieder statt, auch wenn es derzeit im www nur einen Streckenplan gibt. Die geänderte Strecke vermeidet jegliche Verkehrsprobleme in Como, Start und Ziel wurden ins 15 km entfernte Cantù verlegt, der Schlussanstieg nach Civiglio entfällt, die Muro di Sormano wird zuerst gefahren, danach geht es am weniger malerischen Westarm des Comer Sees entlang zum Anstieg nach Ghisallo, von dort 60 km mit leichten Wellen ins Ziel. Leider vermindert all das die Attraktivität dieses Granfondos - und wohl auch die Starterzahl. Vielleicht ist das schon wieder der Anfang vom Ende?

Fast scheint es so, als wäre es der Plan von RCS Sport, jeden ihrer Granfondos nach nur drei Ausgaben zu beerdigen. Aber auch bei anderen Granfondos aus der obigen Liste war drei erstaunlich oft die kritische Zahl. Dem ebenfalls von RCS veranstalteten Gran Fondo Strade Bianche blieb das zum Glück erspart: er fand 2019 bereits zum fünften Mal statt!

 

Die letzten beiden Beispiele machen ein bisschen Hoffnung: Manchmal verschwinden Granfondos zwar aus dem Kalender, kommen Jahre später aber plötzlich wieder zurück - wenn auch leider manchmal nicht dauerhaft. Um die oft kurze Phase der "Sternschnuppen" nicht zu verpassen, empfiehlt sich: aktiv nach neuen Granfondo-Sternen suchen, interessante, aufstrebende Veranstaltungen fahren, bevor sie den Status des Geheimtipps verlieren und von den Massen überrannt werden (denn manche Granfondos schaffen es nie soweit) und die sich bietenden Gelegenheiten zu nutzen, solange es sie gibt - Carpe diem!

 

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Dieses Plakat von 3epic hängt seit dem Sommer 2017 nicht mehr in Auronzo di Cadore, sondern als Motivationshilfe daheim bei mgf. Auch wenn sich der Anstieg in Wirklichkeit etwas anders präsentiert (von der Straße aus hat man diese grandiose Aussicht, mit der kleinen Zinne ganz rechts, nie), symbolisiert das aus zwei Fotos zusammengesetzte Bild den Kern dieses Granfondos perfekt: Alles drehte sich um den steilen, epischen Schlussanstieg, der sich Richtung Himmel schraubt, bis an den Fuß des berühmten Berg-Trios im Weltnaturerbe Dolomiten, zum Rifugio Auronzo (markiert durch die Zielflagge), auf den Spuren legendärer Giro-Momente, von Eddy Merckx bis Vincenzo Nibali. [Bild-Quelle: 3epic]

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www-Tipp: Auch Websites sollte man besuchen, solange es sie gibt. Viele Jahre war das "ITALIAN CYCLING JOURNAL" die von mgf meistbesuchte Website. Dann sagte "Angelo senza la o", ein Amerikaner in Verona, 2015 leider "finito!".

Auf dieser Seite fanden sich viele schöne Berichte übers Radfahren in Italien, den einen oder anderen Granfondo und die besondere Rad-Kultur südlich der Alpen. Unter den derzeit immer noch online verfügbaren Berichten kann man so manche zeitlose "Perle" finden. Aber wer weiß, wie lange noch - Carpe diem!

WARNUNG: Das "ITALIAN CYCLING JOURNAL" wird auf blogspot.com, gehostet, einer Sub-Plattform von Google, die laut Wikipedia im Jahre 2008 der "weltweit größte Verbreiter von Schadprogrammen" war. Es empfiehlt sich, vor dem Besuch von italiancyclingjournal.blogspot.com die höchste Sicherheitsstufe zu aktivieren!

 

 

 

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