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100 Jahre Fausto Coppi (11.09.19)

Er ist eine Legende und sein Mythos ein wesentlicher Teil der Radsport-Kultur in Italien – deshalb wird ein besonderes Jubiläum auch auf dieser italophilen Radsport-Site gewürdigt: Vor 100 Jahren, am 15. September 1919, wurde Fausto Coppi geboren.

 

Un uomo solo è al comando,
la sua maglia è biancho-celeste.
Il suo nome è Fausto Coppi.

"Coppis Vorstellung beim legendären Corsa rosa von 1949 bestätigte schließlich, absolut und endgültig, seine Größe. Nie zuvor, und wahr-scheinlich nie seither, war ein Radrennfahrer so gut. Auf der drittletzten Etappe zwischen Cuneo und Pinerolo bescherte er Italien seinen 'ikonischsten' Moment des Sports, seinen 'Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen...'-Moment.* Als Mario Ferretti seinen Radio-Bericht begann, machte er nicht nur Coppis 200-Kilometer-Solo-Meisterstück unsterblich, sondern beschrieb in gewisser Weise eine ganze Ära:

'Ein Mann ist einsam in Führung,
sein Trikot ist weiß-himmelblau.
Sein Name ist Fausto Coppi.'

Es war der größte Moment in der Geschichte dieses Sports."

[übersetzt aus: Herbie Sykes: Maglia Rosa - Triumph and Tragedy at the Giro d'Italia, Rouleur Books, London 2013 (englisch), Seite 83]

* im Original: "Geoff Hurst 'some people are on the pitch...' moment" – die Worte von BBC TV-Kommentator Kenneth Wolstenholme in den letzten Sekunden des Fußball-WM-Finales in Wembley 1966: ein Zitat, das jeder im Land kennt und das bis heute Emotionen und Gänsehaut auslöst wie kein zweites Ereignis in der Sportgeschichte des Landes.

 

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Der kleine, bescheidene Beitrag von mgf zum großen Coppi-Jubiläum 2019: Eine 48-seitige DIN-A6-Broschüre über Cuneo-Pinerolo, die legendäre 17. Etappe des Giro d'Italia 1949 – laut Radsport-Historiker Herbie Sykes der "größte Moment in der Geschichte dieses Sports".

 

 

 

 

 

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Die obigen Zeilen aus einem der besten Bücher über den Giro d'Italia geben den Stellenwert wieder, den Fausto Coppi bei vielen Radsport-Kennern genießt. Für nicht wenige ist Coppi wegen seiner unvergleich-lichen, qualitativ herausragenden Leistungen der "Größte" Radsportler aller Zeiten, Eddy Merckx dagegen "nur" der, nach Erfolgen gemessen, quantitativ "Beste".

Coppis Erfolge sind für seine (kriegsgeschädigte) Zeit einmalig: Noch vor dem 2. Weltkrieg holte er 1940 seinen ersten Giro-Sieg, 1953 seinen letzten – mit der legendären Attacke am Stelvio! 15 Jahre nach dem ersten Giro-Triumph fehlten zu einem sechsten nur 13 Sekunden. Sein 1942 unter schwierigsten Bedingungen aufgestellter Stundenweltrekord hielt 14 Jahre.

Der "Campionissimo" war ein Ausnahme-Athlet und Nationalheld, wie es ihn in Deutschland nie gab, selbst ein Michael Schumacher kommt da nicht mal annähernd ran. Fausto Coppis 100. Geburtstag wird in Italien durch eine Vielzahl von Veranstaltungen gewürdigt, insgesamt werden es wohl fast so um 100 herum sein!

 

Der Granfondo La Fausto Coppi, mit Start und Ziel in Cuneo, feierte das Jubiläum ebenso wie der Gran Fondo Sestriere. Beide Granfondos haben durch Start/Ziel oder Streckenführung eine besondere Verbindung zum eingangs genannten 'ikonischsten' Moment des Sports in Italien. Die legendäre 17. Etappe des Giro 1949, Cuneo-Pinerolo, steht für den Mythos Coppi wie nichts anders.

Im Gegensatz zum 60. Jubiläum der Etappe bot der Veranstalter des Granfondos in Cuneo, ASD Fausto Coppi, heuer leider keine "La Fausto Coppi Epica" an, obwohl die Originalstrecke jetzt wieder vollständig befahrbar ist. 2009 führte der 300 km lange "Selbsterfahrungstrip", auf dem Lizenz-Radsportler Coppis Glanzleistung im Sattel nachempfinden konnten, "nur" über vier Pässe, der Colle dell'Agnello ersetzte damals Colle della Maddalena und Col de Vars.

Dafür veranstaltete die Nova Unione Velocipedistica Italiana heuer eine noch extremere Fahrt: 29 Fahrer wagten sich am 70. Jahrestag, dem 10.06.2019, mit historischem Material auf die historische Strecke der "Rievocazione Storica della Cuneo-Pinerolo", nur 14 Helden schafften es bis nach Pinerolo!

Auch der Giro d'Italia fuhr 2019 eine Etappe Cuneo-Pinerolo – allerdings nicht auf der Strecke von 1949, sondern (wie schon 2009, damals jedoch unfreiwillig) eine harmlosere, entschärfte Variante, die nur etwas an den Alpen "kratzte". Bei der Siegerehrung in Pinerolo überreichte Faustino Coppi dem Etappensieger Cesare Benedetti ein Portrait seines Vaters.

Die Etappe Cuneo-Pinerolo 1949, eine der hellsten Sternstunden des Radsports, steht seit dem 9. Mai sogar im Mittelpunkt einer eigenen Ausstellung in Cuneo: "FAUSTO COPPI 9h 19′ 55′′ - l’uomo, la tappa, il mito" ist noch bis zum 100. Geburtstag am 15.09.19 geöffnet. Irgendwie passend zur fast religiösen Verehrung, die Coppi in Italien auch heute noch genießt, wurde die Ausstellung in einer alten Kirche eingerichtet.

 

Die "Supernova" Cuneo-Pinerolo steht auch im Mittelpunkt einer kleinen privaten Aktion von mgf zum Jubiläumsjahr: Die kompakte, 48-seitige Broschüre "100 anni Fausto Coppi – 70 anni Cuneo-Pinerolo" über die legendäre 17. Etappe des Giro 1949 (Bild oben rechts) ist – im Trikottaschen-Format, mit Geschichten, Bildern und einer detaillierten Strecken-Beschreibung – die ideale Begleit-Lektüre für das Nachfahren der (laut einer internationalen Journalisten-Wahl im Jahr 2012) "stärksten Giro-Etappe aller Zeiten", egal ob am Jahrestag der Etappe, an Coppis Geburtstag oder irgendwann später...

 

Für alle, die das Coppi-Jubiläum nicht im Sattel feiern können oder wollen, bietet die Lektüre eines guten Buchs eine entspannte Alternative, um – bei einer guten Flasche Piemonteser Rotwein – die Karriere des (zumindest aus italienischer Sicht) "größten Radsportlers aller Zeiten" zu dessen 100. Geburtstag Revue passieren zu lassen:

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Auro Bulbarelli, Giampiero Petrucci: Coppi per sempre, Verlag Gribaudo, Mailand 2018 (italienisch), ca. 40 Euro.
Dieser dicke Schmöker ist viel besser, als das Titelbild vermuten lässt. 540 Seiten randvoll mit Bildern machen ihn zum vermutlich bis dato umfangreichsten Coppi-Fotoalbum (zumindest im aktuellen Angebot). Die Bandbreite der Bilderflut reicht von Fotos aus dem Renn- und Privatleben über Titelseiten von Zeitungen, Karrikaturen, Fan- und Werbe-Artikel bis zu Profilen legendärer Etappen. Wichtige Ereignisse werden detailliert dokumentiert. Ein absolutes Muss für jeden Coppi-Fan, zum fairen Preis!

Paolo Amadori, Paolo Tullini: Le Bici di Coppi, Verlag Ediciclo Editore, Portogruaro 2016 (italienisch, Erstauflage 2013), ca. 40 Euro.
Fausto Coppi ist vermutlich der einzige Fahrer, bei dem ein Buch nur über seine Räder geschrieben wurde! Präsentiert werden darin 17 bis heute erhaltene Original-Räder von Coppi (insgesamt baute Bianchi für ihn 70 Räder, 53 für die Straße, 17 für die Bahn) und eins seines Bruders Serse. Erst 2011, nach Entdeckung des Archivs des legendären Bianchi-Mechanikers Pinella De Grandi, genannt "pinza d'oro – goldene Zange", wurde dieses Buch möglich. Es enthält viele schöne Bilder: von den Rädern, Fausto Coppi, dem Rennbetrieb und Rennradtechnik allgemein.

Diese beiden schönen Bücher bilden, zusammen mit Walter Lemkes Coppi-Biografie die Empfehlung von mgf als Grundstock für Coppi-Fans. Weitere empfehlenswerte Coppi-Bücher siehe Spalte rechts.

 

Egal ob und wie Ihr den 100. Geburtstag von Fausto Coppi feiert – für den Radsport in Italien gilt, heute wie früher, Walter Lemkes Credo:

"Coppi é sempre presente!"

 

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Coppi-Bücher ohne Ende...

Wohl über keinen Radsportler wurden so viele Bücher geschrieben wie über Fausto Coppi, selbst 60 Jahre nach seinem Tod kommen immer noch neue dazu. Neben den unten und in der Spalte links beschriebenen Coppi-Büchern werden im bereits gut gefüllten Bücherregal von mgf an Weihnachten 2019 vermutlich noch ein paar Neuzugänge stehen...

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Walter Lemke: Fausto Coppi - Zwei Jahrzehnte internationaler Radrennsport, Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2007 (Erstauflage 1999), 35 Euro.
Das
einzige Coppi-Buch in deutscher Sprache, von einem bekennenden Fan. Auf über 500 Seiten wird die Karriere des Campionissimo akribisch nachgezeichnet, bei der Fülle der Details geht der "rote Faden" leider ab und zu verloren. Auch wenn die manchmal etwas langatmige Darstellung vereinzelt chronologische Fehler enthält und etwas mehr Bilder gut getan hätten: für deutsche Coppi-Fans ein Muss.

Herbie Sykes: Coppi - inside the legend of the Campionissimo, Rouleur Books, London 2013 (englisch, Erstauflage 2012), ca. 30 Euro.
Keine umfassende, lückenlose Coppi-Biografie, sondern ein Bilderbuch mit vielen anderswo noch nicht gesehenen Fotos, vor allem aus den 50er Jahren, die Coppi auch hinter den Kulissen, im Privaten, zeigen. Den Text beschränkt Sykes auf die Geschichten italienischer Gregari und Konkurrenten, die den Campionissmo in einem ungewohnt menschlichen Licht erscheinen lassen – meist als warmherzigen, großzügigen, fairen Sportsmann. Dieses Buch mit manchen Lücken kann eine echte Coppi-Biografie nicht ersetzen, aber gut ergänzen.

 

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"Campione inobliabile", Sonderheft von Lo Sport illustrato, 10.03.1960 (Nachdruck 2009, italienisch, nur noch antiquarisch erhältlich)
Das kurz nach Coppis Tod erschienene, großformatige Sonderheft mit 98 Seiten enthält viele Bilder mit kurz gehaltenen Kommentaren. Ein zeitgeschichtlich wertvolles Dokument, auch wenn die Druckqualität der Bilder im Nachdruck (wie sicherlich auch im Original) leider nicht besonders gut ausfällt.

"Coppi - Una leggenda senza confini", Sonderheft der Gazzetta dello Sport, 19.12.1989 (Nachdruck 1999, italienisch, nur noch antiquarisch erhältlich)
Coppis Karriere wird hier nicht chronologisch, sondern nach Themengebieten dokumentiert: Rennen (Giro, Tour, Sanremo u.a.), Familie, Freunde, Rivalen – und ergänzt durch zeitgenössische Zeitungsartikel bekannter Journalisten, von Buzzatti über Goddet bis Vergani. Das 64 Seiten dünne Heft lässt zwar manche Lücke, die Texte bieten aber einen guten Überblick über die Karriere des Campionissimo.

Paolo Albertati: Fausto Coppi - un uomo solo al comando, Verlag Giunti Editore, Florenz 2014 (italienisch, Erstauflage 2009), ca. 20 Euro.
Mit 194 Seiten ein kompaktes Buch, das wichtige Stationen von Coppis Karriere anhand von Erinnerungen der damaligen Beteiligten nachzeichnet. Zu Wort kommen Coppis Helfer, Konkurrenten, Freunde und Kinder. Zwar kein reines Bilderbuch, aber mit (geschätzt) über 500 Fotos, incl. Sammelbildern und Fanartikeln, auch für Coppi-Fans interessant, die mit Italienisch Schwierigkeiten haben.

 

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Nachtrag 22.11.19:
Giuseppe Castelnovi u.a.: Cuneo-Pinerolo - Il Giro sulle Alpi piemontesi a 60 anni dall'impresa di Coppi, Verlag Edit Vallardi, Cassina de Pecchi 2009 (italienisch, nur noch antiquarisch erhältlich), ca. 25 Euro.
Fausto Coppi inspirierte nicht nur zu einem Buch nur über seine Räder, sondern auch zu einem Buch nur über ein einziges Rennen! Neben vielen Details zur Strecke und den Ereignissen während der legendären 17. Etappe des Giro 1949 beschreibt das 160-seitige Buch den Start- und den Zielort, schildert die Etappe aus Sicht der Betreuer und Wasserträger, liefert komplette Ergebnisse und Bulletins von 1949, beleuchtet die Cuneo-Pinerolo-Etappen 1964 und 1982 und noch einiges mehr. Bis zur Entdeckung dieses Buchs im Museo del Ciclismo Madonna del Ghisallo dachte mgf, die Broschüre zu Cuneo-Pinerolo wäre schon eine ziemlich schräge Idee...

 

Tipp zum Bücherkauf: Auch manch kleiner Buchladen kann ausländische Bücher besorgen – auch italienische. mgf kauft fast immer beim Händler vor Ort, so gut wie nie im www. Vorteile des Kaufs im Laden: Man muss sich wegen der Lieferung keine Gedanken machen, kann selbst bestimmen, wann man das Buch abholt - und manchmal (wenn auch selten) ist der Preis sogar günstiger als am Amazonas.

 

 

 

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