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Coronavirus stoppt Granfondos (10.03.–18.04.20)

Was für eine verrückte Woche! Zunächst standen ab 4. März insgesamt 15 Provinzen in Norditalien quasi unter Quarantäne – und seit gestern ganz Italien. Die italienische Regierung hat per Dekret alle größeren Veranstaltungen bis zum 4. April verboten. Und nicht nur das...

Alle nicht notwendigen Personenbewegungen sollen unterbleiben, überall gibt es Kontrollen und Papierkrieg. Schulen, viele Museen und andere öffentliche Einrichtungen sind geschlossen, Bars dürfen nur bis 18 Uhr öffnen – sofern ein Meter Sicherheitsabstand zwischen den Gästen gewährleistet ist! Das öffentliche Leben in Italien ruht, sogar Gottesdienste finden nicht mehr statt. Und derzeit ist noch überhaupt nicht absehbar, ob der Quarantäne-Zustand nicht noch über den 4. April hinaus verlängert werden muss.

Das Veranstaltungsverbot betrifft auch Radrennen und Granfondos: Zuerst wurde das Profirennen Strade Bianche (07.03.20) abgesagt, danach Milano-Sanremo (21.03.20) – und auch die parallel dazu geplanten Granfondos, sowie einige weitere Veranstaltungen.

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Allgemeine Situation in Italien

Eine deutschsprachige Nachrichten-Übersicht zur Situation in Italien, vor allem (aber nicht nur) in Südtirol, ist auf www.stol.it zu finden.

Eine Karte mit der Entwicklung in den Regionen liefert der Zivilschutz.

Eine deutsche Übersetzung des Dekrets des Ministerratspräsidenten vom 4. März 2020 gibt es bei www.provinz.bz.it.

Weitere Links zum Thema finden sich bei radsport-news.com.

Das deutsche Auswärtige Amt rät derzeit von allen nicht notwendigen Reisen in Risikogebiete ab. Die Teilnahme an einem Granfondo fällt wohl unter "nicht notwendig" – ist im März aber wegen des Veranstaltungs-Verbots praktisch auch gar nicht mehr möglich.

Ein reines Trainingslager ist sicher ebenso "nicht notwendig" – und dürfte ebenfalls schwer zu realisieren sein, denn immer mehr Hotels schließen, obwohl es derzeit (noch?) keine behördlichen Anordnungen gibt.

Selbst wenn die Einreise nach Italien derzeit (noch?) möglich ist und gesunde Menschen das Coronavirus offenbar nicht fürchten müssen, sollte man sich sehr gut überlegen, ob man dieses "Abenteuer" wagt:

  • Inzwischen werden Arbeitnehmer, die von einem Urlaub aus einem Risiko-Gebiet zurückkehren, von vielen Arbeitgeber unter Quarantäne gestellt (unabhängig vom Nachweis einer Infektion). Wer keine Möglichkeit zur Arbeit im "Home Office" hat, könnte Probleme bekommen. Am besten, man klärt die Folgen einer Italienreise vorher mit dem Arbeitgeber.
     
  • Wie die letzten Tage gezeigt haben, kann sich die Lage jederzeit verschärfen. Einige Flughäfen werden nicht mehr angeflogen. Auch wer per Auto anreist, kann nicht sicher sein, dass er nächste Woche noch zurückfahren darf.
     
  • Österreich hat bereits eine offizielle Reisewarnung für Italien ausgesprochen, alle Italien-Heimkehrer müssen 14 Tage in Quarantäne. Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis auch Deutschland eine Reisewarnung ausgibt.
     
  • Wer sich tatsächlich infiziert, wird zum Gesundheitsrisiko für gesundheitlich schwächere Personen im persönlichen Umfeld. Ob man sich dem Risiko einer Infektion aussetzt, sollte man sich sehr gut überlegen. Über kurz oder lang wird sich das Corona-Virus zwar auch in Deutschland weiter ausbreiten - aber man muss das nicht auch noch beschleunigen...

[Diese Momentaufnahme wird nicht weiter aktualisiert und ist vermutlich am 11.03. schon überholt]

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Bis zum Dezember 2019 dachten die meisten Menschen bei "Corona" wohl eher an ein kühles Bier aus südlichen Gefilden. Hoffentlich wird das in nicht allzu ferner Zukunft wieder so sein... [Foto: Jake Bradley, CC-Lizenz 1.0]

 

 

Termin-Chaos im Granfondo-Kalender

Derzeit werden reihenweise Veranstaltungen abgesagt oder verschoben, unter anderem sind die folgenden, bisher bei mondogranfondo.de genannten, Veranstaltungen betroffen:

Gran Fondo Strade Bianche (geplant für 08.03.20) wurde verschoben auf einen noch nicht bekannten Termin.

Granfondo Sanremo-Sanremo (geplant für 22.03.20) wurde verschoben auf einen noch nicht bekannten Termin [abhängig vom Profirennen Milano-Sanremo, das angeblich nach Il Lombardia stattfinden soll, d.h. Granfondo Sanremo-Sanremo evtl. am 18.10.].

Colnago Cycling Festival (geplant für 03.-05.04.20) wurde verschoben auf 2. bis 4. Oktober.

Alle drei Granfondos haben zumindest angekündigt, dass 2020 eine Austragung erfolgen wird, auch wenn Ersatztermine teilweise noch nicht bekannt sind. Da der Jahreskalender natürlich schon gut gefüllt ist, werden sich Terminkollisionen nicht vermeiden lassen. Das Colnago Cycling Festival wurde z.B. auf das Wochenende verschoben, an dem auch L'Eroica stattfindet.

Beunruhigend ist, dass mit dem Gran Fondo Firenze De Rosa auch schon eine Veranstaltung verschoben wurde (vom 19.04.2020 auf 27.09.2020), die etwas außerhalb des vom Dekret betroffenen Zeitraums liegt. Zum Zeitpunkt der Terminverschiebung war die Toscana zudem noch keine Risiko-Region. Wenn alle Granfondos mit vergleichbarer Konstellation kurzfristig verschoben werden, ist heuer ein Termin-Chaos garantiert.

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Wie geht's bei Granfondos weiter?

Bei bereits erfolgter Anmeldung gibt es mehrere Szenarien:

Totalausfall:
Wenn der Granfondo ersatzlos
abgesagt wurde, sollte man sich das Reglement genau anschauen. Manche Veranstalter erstatten das Startgeld im Fall von höherer Gewalt nicht zurück – und darunter fällt das aktuelle Veranstaltungsverbot sicher.

Verschiebung:
Wenn der Granfondo auf einen Termin verschoben wurde, der nicht zur persönlichen Saisonplanung passt, sollte man prüfen, ob ein Rücktritt oder eine Umbuchung auf 2021 möglich ist.

Rücktritt / Umbuchung:
Bei Granfondos, die bis 4. April stattfinden sollten (und die sicher bald abgesagt werden), ist dies vermutlich nicht mehr möglich, da die Fristen dafür sicherlich schon überschritten sind.
Bei Granfondos, die ab 4. April stattfinden und damit vom Dekret (noch?) nicht betroffen sind, sollte man prüfen, ob und bis wann eventuell eine Umbuchung auf 2021 (oder auch ein Rücktritt) möglich ist. Diese Optionen sollte man ins Auge fassen, falls bis zum Ablauf der Fristen keine Änderung der Lage absehbar ist – siehe
Spalte rechts.

Grundsätzlich gelten für alle bereits erfolgten Anmeldungen die Regeln der Teilnahmebestimmungen – die der Veranstalter natürlich aufgrund der neuen Situation ändern kann. Und man kann auf Kulanz hoffen: wer will schon Kunden verlieren?

 

Neu-Anmeldungen:

Bei der Anmeldung zu Granfondos, die nach dem 4. April stattfinden sollen, gilt es abzuwägen: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Beschränkungen in den April oder Mai hinein verlängert werden, dürfte relativ hoch sein. Wenn die Teilnahmebestimmungen kein Rücktrittsrecht vorsehen, sollte man das Risiko nicht eingehen – oder beim Veranstalter nachfragen, ob eine Anpassung geplant ist.

Denn einige Veranstalter haben schon auf die neue Situation reagiert. So gelten für eine Reihe von Granfondos, die man über das Portal ENDU.net buchen kann, großzügige Umbuchungsmöglichkeiten: Falls die gebuchte Veranstaltung abgesagt werden sollte oder man sich bis drei Tage vor dem Granfondo entscheidet, nicht teilzunehmen, gibt es zwei Optionen: Man kann entweder auf die nächste Ausgabe der Veranstaltung (evtl. noch in 2020) umbuchen oder sich 90% der Anmeldegebühr für einen anderen über ENDU.net angebotenen Granfondo anrechnen lassen.

Diese Regelung gilt jedoch nur für Neu-Anmeldungen im März 2020, nicht für schon vorher erfolgte Anmeldungen. Auf ENDU.net gibt es mehr Details und eine Liste der Veranstaltungen, die diese "Versicherung" bieten (meist sind es kleinere Granfondos). Mit dieser Regelung soll offensichtlich die Hemmschwelle gesenkt und ein totaler Einbruch bei den Anmeldungen verhindert werden. Und weil das Risiko tatsächlich recht überschaubar ist, könnte das auch gelingen.

 

Egal, was noch kommt: Das Coronavirus hat schon jetzt die Granfondo-Saison 2020 – und das stark vom Tourismus abhängige Land – massiv geschädigt. Nun heißt es Daumen drücken und hoffen, dass Italien das Virus mit den jüngsten, recht drakonischen Maßnahmen unter Kontrolle bringt und der Ausnahmezustand bald wieder endet.

Und hoffentlich gelingt dies auch hierzulande...

 

Immer mehr Granfondo-Absagen (Nachtrag 15.03.20)

In nur wenigen Tagen hat sich die Lage bei Profirennen und Granfondos weiter verschärft, nicht nur in Italien: Ausfallen werden heuer wohl auch die meisten Frühjahrsklassiker im Norden. Und sogar der Giro d'Italia (09.05..-31.05.) wird auf einen noch nicht bekannten Termin verschoben (wobei hier aber auch der Start in Ungarn eine Rolle spielt). Inzwischen wurden bereits reihenweise Granfondos im April abgesagt, mit dem Granfondo Gimondi Bianchi im Corona-Schwerpunkt Bergamo allerdings auch schon der erste Granfondo im Mai (10.05.).

Ob das 50. Jubiläum des Granfondo Nove Colli wie vorgesehen am 24.05. gefeiert werden kann, soll sich bis zum 03.04. entscheiden. Weil für jede Veranstaltung ein Vorlauf für Planung und Vorbereitung nötig ist und derzeit niemand wirklich planen kann, wird es nach der Aufhebung des Ausnahmezustands sicher noch einige Wochen dauern, bis wieder die ersten Granfondos stattfinden. Dies könnte – weil derzeit leider noch keine Besserung der Situation in Italien in Sicht ist – bis Juni dauern.

Falls dieses Szenario eintritt, wäre – da März, April und Mai nach dem Juni die stärksten Granfondo-Monate sind – ungefähr die Hälfte aller italienischen Granfondos von Ausfall oder Verschiebung betroffen. Weil im September und Oktober alle Wochenenden vielfach belegt sein werden, werden Absagen wahrscheinlicher. Denn im Fall einer Termin-Verschiebung dürften die gewohnten Teilnehmerzahlen sowieso nicht zu erreichen sein. Schließlich kann jeder nur einen Granfondo pro Wochenende fahren und die meisten neu festgelegten Termine sind Ende September bis Mitte Oktober...

Im Jahr 2019 lag die Teilnehmerzahl für 188 von diciclodinews.it erfasste Granfondos noch bei insgesamt rund 120.000. Heuer wird sicher ein historischer Tiefstand erreicht, auch weil die Reiselust sehr gebremst sein wird und wir alle wohl ganz andere Sorgen haben. Und mancher kleine Granfondo wird die Corona-Krise, ebenso wie viele Hotels und Firmen, vielleicht nicht überleben. Umso wichtiger wäre es, nach dem Ende der Krise Veranstaltungen, Land und Leute zu unterstützen und wieder auf die Beine zu helfen.

In Italien sind Trainingsfahrten auf der Straße inzwischen aufgrund der strengen Ausgangssperre nicht mehr möglich, der Radsportverband FCI rät zum Rollentraining (siehe radsport-news.com). Bei uns gibt es solche massiven Einschränkungen noch nicht und auf einer einsamen Radtour wird man sich das Corona-Virus wohl kaum einfangen können. Trotzdem sollte man sein Training wegen des "Open-Window-Effekts" sorgfältig planen. Passt auf euch auf und beibt gesund!

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Reglement-Check vor Granfondo-Absage (Nachtrag 31.03.20)

Wer sich bereits für einen Granfondo angemeldet hat, sollte die mögliche Optionen prüfen. Im Idealfall ist alles umfassend in den "Vertragsbedingungen" – d.h. in Teilnahmebedingungen oder Reglement – geregelt, wie bei jedem ordentlichen Vertragsabschluss auch. Bei der Maratona dles Dolomites ist dies (fast) der Fall, daher sollen die möglichen Optionen an diesem Beispiel dargestellt werden:

Die Maratona stellt durch die Verlosung der Startplätze einen Sonderfall dar. Die Startplätze wurden im November letzten Jahres verlost, die glücklichen Gewinner hatten ursprünglich bis zum 15.04. Zeit, ihre Anmeldung abzuschließen, diese Frist wurde inzwischen bis zum 25.05. verlängert. Je nach Status der Anmeldung gibt es unterschiedliche Möglichkeiten:

Wer seine Anmeldung noch nicht abgeschlossen (also die Teilnahmegebühr noch nicht bezahlt) hat, muss sich entscheiden: Entweder...

A) Man lässt die Anmeldung einfach verfallen, dann ist nur die Verlosungsgebühr von 2 Euro verloren (aber man hat natürlich auch kein Startrecht 2021). Oder...

B) Man schließt die Anmeldung bis zum 25.05. ab, indem man die Teilnahmegebühr bezahlt. Nach erfolgter Anmeldung gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Wer sicher gehen will, storniert seine Anmeldung gleich wieder und erhält dafür ein Startrecht für 2021, die Zusatzkosten betragen 10 Euro (Punkt 12 der Teilnahmebedingungen), plus 2 Euro für die erneute Voranmeldung.
     
  2. Wer seine Anmeldung nicht storniert, geht ein Risiko ein, falls die Maratona wegen "außerordentlicher Umstände" (worunter die Corona-Krise sicher fällt) abgesagt wird. Für diesen Fall sehen die Teilnahmebedingungen (Punkt 23) vor, dass die Teilnahmegebühr nicht zurückgezahlt wird. Man hat zwar ein Startrecht für 2021, muss aber 121 Euro nachzahlen, plus 2 Euro für die erneute Voranmeldung.

Wer seine Anmeldung bereits abgeschlossen hat (also die Teilnahmegebühr bezahlt), hat natürlich nur die unter B) genannten Optionen.

Sicher ist: Auch 2021 wird es eine Verlosung geben. Aber im Fall einer Absage der Maratona 2020 werden für 2021 nur die Startplätze in der Verlosung zur Verfügung stehen, deren Anmeldung für 2020 nicht abgeschlossen wurde (oder die von Anmeldungen, die abgeschlossen wurden, für 2021 jedoch nicht durch eine Voranmeldung bestätigt werden) – und das werden sicher nicht allzu viele sein. Für diesen Fall tippt mgf auf eine Erfolgschance von um die 5% in der Verlosung...

Eine kleines Restrisiko bleibt bei der Stornierung der Anmeldung. Punkt 23 der Teilnahmebedingungen lautet: "Falls die Veranstaltung wegen außerordentlicher Umstände nicht stattfinden kann, wird die Startgebühr nicht zurückerstattet und auch nicht auf das nächste Jahr umgebucht." Ob dies im Ernstfall auch für Teilnehmer gilt, die zum Zeitpunkt der Absage bereits auf 2021 umgebucht hatten, kann vermutlich nur ein Jurist beurteilen...

Das einzige, worüber man noch spekulieren darf, ist, ob der Veranstalter den Punkt 23 so streng anwendet, wie in jeder Teilnehmer mit seiner Anmeldung akzeptiert hat. Falls der Veranstalter dies nicht tut, wäre das ein Entgegegenkommen des Veranstalters, kein Recht der Teilnehmer.

Pfennigfuchser und Sicherheitsfanatiker sollten eine bereits abgeschlossene Anmeldung schnellstens stornieren, um einer eventuellen Absage zuvorzukommen.

Wer nicht so sehr am Geld hängt, kann abwarten, muss jedoch im "schlimmsten" Fall das Startgeld als Spende abschreiben – für diesen Weg hat sich mgf bei Maratona dles Dolomites und Nove Colli entschieden... ;-)

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Nachtrag 18.04.20: Sowohl die Maratona dles Dolomites als auch die Nove Colli wurden inzwischen abgesagt. Beide Veranstaltungen buchen die Anmeldungen von 2020 auf 2021 um. Das einzige was man noch tun muss, ist die Anmeldung später nochmals bestätigen. Als Dank für dieses "Geschenk" kann und sollte man überlegen, eine angemessene Summe an italienische Wohltätigkeitsorganisationen zu spenden.

Die ASD Fausto Coppi, Organisator des Granfondo Nove Colli, spendete 5000 Euro für Grundbedürfnisse der weniger wohlhabende Familien von Cesenatico – und lädt alle Radfahrer, die Gutes tun wollen, auf ihrer Website ein, ebenfalls zu spenden.

Die Maratona dles Dolomites (deren Website derzeit praktisch inaktiv ist), unterstützte in der Vergangenheit folgende italienische Organisationen:

Insieme si può
Bimbingamba
Missionsgruppe Meran

 

 

 

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